Fabrik Klarenbrunn: Offenes Miteinander, Austausch und Kooperation

Rein äußerlich hat sich die Fabrik Klarenbrunn in den über 130 Jahren ihres Bestehens kaum verändert. Auch hinter der für Vorarlberg so untypischen Backsteinfassade der ehemaligen Spinnerei wurde nur adaptiert, was unbedingt notwendig war. Heute jedoch werden in der Klarenbrunnstraße 46 keine Garne, sondern zukunftstaugliche Ideen gesponnen. Die Rohstoffe? Ein offenes Miteinander, Austausch und Kooperation.

Maßgeblich verantwortlich dafür, dass die Fabrik Klarenbrunn nach der Schließung 2015 wieder zum Leben erwacht ist, ist Christian Leidinger.

Der Unternehmer, dessen Zirbenbett-Manufaktur „Die Køje“ zu jener Zeit ihren Sitz ein Stück weiter die Klarenbrunnstraße hinunter hatte, erinnert sich: „Wir sind damals aus allen Nähten geplatzt und gleichzeitig jeden Tag an diesem riesigen, leer stehenden Gebäude vorbeigefahren.

Irgendwann hat sich der Gedanke ‚Was wäre wenn …?‘ einfach aufgedrängt.“ Die Möglichkeit, das Gebäude zu kaufen ergab sich schneller als erwartet – was fehlte, war das nötige Kapital.

Die ersten Mieter*innen ziehen ein

Platz gab es in dem 8000 m2 großen Gebäude nun mehr als genug. Also machte sich Christian, noch bevor der Kaufvertrag unterschrieben war und die Tischlerei selbst die ehemalige Putzerei und Mischerei beziehen konnte, auf die Suche nach Mieter*innen. „Uns war vor allem wichtig, dass die Mieter*innen gut zusammenpassen und ein harmonisches Miteinander, Austausch und Kooperation möglich sind“, sagt Koordinatorin und Kuratorin der Fabrik Klarenbrunn, Lisa Vesely, die von Anfang an mit dabei war. Die erste Mieterin war die Caritas Vorarlberg, wenig später zog die Fliesenmanufaktur KARAK in die ehemalige Schlosserei der Fabrik ein.

„Uns war vor allem wichtig, dass die Mieter*innen gut zusammenpassen und ein offenes Miteinander, Austausch und Kooperation möglich sind.“

Lisa Vesely, Koordinatorin und Kuratorin der Fabrik Klarenbrunn

Re-Use, wo immer es geht

Nach dem Ankauf der Immobilie war das Budget für den Umbau eher knapp kalkuliert. Das Team um Christian Leidinger hat es jedoch verstanden, aus der Not eine Tugend zu machen: Vieles, was beim Entrümpeln der Fabrik Klarenbrunn zum Vorschein kam, konnte bleiben. Re-Use, wo immer es geht, lautete die Devise. Die originalen Böden, etliche Möbelstücke und sogar ein „geerbter“ Drucker sind nach wie vor in Verwendung. Inspiration dafür holte sich das Team unter anderem von Daniel Büchel, jenem Architekten und Designer, der auch für die Innenraumgestaltung der Schaffarei verantwortlich zeichnet.

 

 

Fast wie eine WG

Heute vermittelt die Fabrik Klarenbrunn beinahe den Eindruck einer WG – einer Wirtschafts- und Lebensgemeinschaft im besten Sinne.

Man versteht sich, man unterstützt sich und man lernt und profitiert voneinander auf unterschiedlichsten Ebenen: Sei es durch Aufträge der Mieter*innen an die Caritas Werkstätte „Gschickt&Gschwind“, bei gemeinsamen „Spinnereien“ wie der KaraKøje, einem Zirbenbett, graviert mit KARAK-Ornamenten. Oder einfach nur beim gemeinsamen Kochen und Mittagessen, beim Faschingsumzug ums Haus oder bei der gemeinsamen Weihnachtsfeier – sofern die Pandemie es erlaubt.

Formate mit Format

 

In einer Atmosphäre wie dieser lässt es sich arbeiten – und es lässt sich leben. Im oberen Stock des Gebäudes mit der denkmalgeschützten Backsteinfassade liegt ein Veranstaltungssaal, der für Veranstaltungen oder für Seminare gemietet werden kann. Angesprochen sind vor allem Vereine und Initiativen, die sich denselben Werten verschrieben haben wie die Fabrik Klarenbrunn. Lisa Vesely: „Zukünftig wollen wir auch selbst vermehrt verschiedene Formate anbieten, wie zum Beispiel die Projektschmiede oder Konzerte und Workshops.“

 

Auch für neue Mieter findet sich immer wieder Platz in der Fabrik Klarenbrunn. Möglich ist vieles, was dem Geist der Fabrik entsprich: vom Co-Working über Co-Making bis zum Co-Creating. Vor allem neue Ideen, andere Denkweisen und „kreative Spinnereien“ im Sinne einer lebenswerten Zukunft sind immer willkommen.