Caritas Vorarlberg: Raum für Begegnung, Inklusion und Perspektiven

Mit einem behäbigen Knarzen öffnet sich die schwere Holztür zum Erdgeschoss der Fabrik Klarenbrunn. In der einzigartigen Atmosphäre der einstigen Spinnereihalle wirken hier seit 2018 drei soziale Unternehmen der Caritas Vorarlberg zusammen – und schaffen unter einem Dach Raum für Begegnung, Inklusion und Perspektiven für Jugendliche, Menschen mit Behinderungen und am Arbeitsmarkt benachteiligte Menschen.

 

 

Schon lange war die Caritas Vorarlberg auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten, um ihre drei bereits in Bludenz ansässigen sozialen Unternehmen endlich unter einem Dach zusammen zu bringen: den carla Store, das Jugendprojekt „Startbahn“ sowie die „Gschickt&Gschwind“-Werkstätte für Menschen mit Beeinträchtigung.

Als sich die Gelegenheit mit der Fabrik Klarenbrunn bot, war klar: Dieser Standort ist ideal.

Kein leichtes Unterfangen, erinnert sich Fachbereichsleiterin Karoline Mätzler: „Jedes der drei Unternehmen sollte ausreichend Platz haben. Darüber hinaus war es uns wichtig, dass eine Durchmischung der einzelnen Bereiche stattfinden und Inklusion gelebt werden kann.“ Als sich die Gelegenheit mit der Fabrik Klarenbrunn bot, war klar: Dieser Standort ist ideal.

Ganz im Sinne des Grundgedankens von carla Vorarlberg wurden die notwendigen Adaptionen mit dem umgesetzt, was vorhanden war. Seit 2018 lädt nun, lichtdurchflutet und von denkmalgeschützten Stahlträgern gestützt, der carla Store zum Stöbern, Staunen und Schnäppchenjagen ein.

Ebenfalls offen in den großen Raum integriert sind die Werkstätten des Jugendprojekts Startbahn und von Gschickt&Gschwind. In der Gschickt&Gschwind-Werkstätte übernehmen Menschen mit Beeinträchtigung Aufgaben für Unternehmen, die sie gut bewältigen können.

Im Rahmen der Startbahn haben Jugendliche die Gelegenheit, Fertigungsarbeiten für die Wirtschaft auszuführen und so ihre Interessen und Talente auszuloten. Upcycling, etwa von gespendeten Möbeln oder Geschirr, ist bei der Startbahn ebenfalls ein wichtiges Betätigungsfeld. Die in der Werkstatt der Startbahn aufgewerteten Second-Hand-Schmuckstücke werden im carla Store verkauft – zusammen mit günstiger bis trendiger Mode aus zweiter Hand und allerlei Schönem und Nützlichem vom Kochbuch bis zum Kaffeeservice.


In durchschnittlich fünf bis zwölf Monaten können die Beschäftigten hier Neues ausprobieren und ihre Talente entdecken.

 

Formale Kenntnisse spielen keine Rolle

 

Die Menschen, denen die Caritas Vorarlberg in ihren sozialen Unternehmen den Einstieg ins Arbeitsleben erleichtert oder überhaupt erst ermöglichen kann, werden über das AMS vermittelt. „Wir stellen lediglich noch drei Fragen: ‚Können Sie arbeiten? Was möchten Sie tun? Wann möchten Sie anfangen?’“, erklärt Frau Mätzler. Formale Kenntnisse spielen keine Rolle.

Die Anstellung im carla Store entspricht einem ganz normalen sozialversicherungspflichtigen Dienstverhältnis, wie in jedem anderen Betrieb auch. In durchschnittlich fünf bis zwölf Monaten können die Beschäftigten hier Neues ausprobieren und ihre Talente entdecken.

Neben der Unterstützung durch Filialleitende, Vorarbeitende und Lehrlingsausbildende werden die Mitarbeitenden auch sozialarbeiterisch betreut.

Karoline Mätzler: „Seien es gesundheitliche Beeinträchtigungen, Schulden, Suchtthematiken oder lange Auszeiten aufgrund von Kinderbetreuung: Die Menschen, die zu uns kommen, bringen einen Rucksack mit, der sie daran hindert, am ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Wir unterstützen sie dabei, möglichst viel Ballast abzulegen und sich für den Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt zu rüsten.“

 








„Die Menschen wollen arbeiten, bekommen aber oft keine Chance.“

Karoline Mätzler, Fachbereichsleiterin Arbeit & Qualifikation bei der Caritas






 

Flexibel und mit Rücksicht auf die Möglichkeiten der Beschäftigten

 

Um diesem Auftrag nachzukommen, schafft die Caritas möglichst flexible Bedingungen, etwa in den Arbeitszeiten. Freiraum, den es in der Privatwirtschaft nach wie vor eher selten gibt.

„Es gibt zwar durchaus Unternehmen, die einiges in dieser Richtung tun, aber da ist noch sehr viel Luft nach oben“, sagt Karoline Mätzler und ergänzt: „Die meisten Menschen wollen arbeiten, bekommen aber oft keine Chance, weil sie aus unterschiedlichsten Gründen nicht ins System passen.“

Dabei kann eine mitarbeiterorientierte Philosophie auch in der Privatwirtschaft nicht nur funktionieren sondern auch Türen zu ganz neuen Möglichkeiten eröffnen – und das ganz ohne behäbiges Knarzen.