„feminin/maskulin“: Theater auf der Klub-Bühne

Theater im Klub: Mut-/Wutausbruch

Sich als Frau im Beruf durchzusetzen, ist heute kein Problem mehr! Oder doch? Das Kurzdrama „feminin/maskulin“ setzt den Fokus auf Themen, die berufstätige Frauen häufiger erleben, als viele wahrhaben möchten: ungleiche Bezahlung, fehlende Anerkennung von Leistung – und Komplimente, die Mitarbeiterinnen immer wieder auf ihre Weiblichkeit reduzieren. An vier Abenden ist das Stück im Juni auf der Klub-Bühne der Schaffarei zu sehen.

Der zweite „Mut-/ Wutausbruch“ in der Schaffarei stammt von der Vorarlberger Autorin Christina Walker. Ihre Texte wurden mit mehreren Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Vorarlberger Literaturpreis und dem Schwäbischen Literaturpreis. Arbeit und Gerechtigkeit sind Thema in vielen ihrer Texte: in diversen Erzählungen und besonders in ihrem Debüt-Roman „Auto“, der 2021 erschienen ist.

Christina Walker
Autorin Christina Walker, Foto: Petra Rainer

Fehlende Anerkennung und sexuelle Belästigung

Im Mittelpunkt des Theaterstücks „feminin/maskulin“ steht die Protagonistin Veronika Lang. Sie arbeitet in einem Architekturbüro. Eines ihrer Projekte ist sogar in der Endausscheidung eines Wettbewerbs.

Doch ihr Chef lobt ihre feminine Frisur, nicht ihre Leistungen. Veronika ärgert sich, während die Kollegin ihre Karriere mit Stöckelschuhen fördert. Die männlichen Mitarbeiter scheinen es leichter zu haben mit der fachlichen Anerkennung.

„Viele Frauen sind bestens ausgebildet, sie sind ehrgeizig und sie sind bereit, viel Leistung zu bringen. Oft wird das aber nicht honoriert“, beschreibt Christina Walker die Situation ihrer Hauptfigur, mit der sich wohl viele Frauen zumindest ansatzweise identifizieren können.

„Mal mangelt es an Anerkennung, an Aufstiegsmöglichkeiten oder bei der Entlohnung. Tatsächlich habe ich manchmal den Eindruck, die gute Leistung der Frauen ist etwas Selbstverständliches. Jene der Männer wird explizit herausgehoben.“

Baumann schaut nicht auf die Visualisierung über meinem Schreibtisch. Es interessiert ihn nicht. Er schaut auf meine Frisur oder auf die von Anna.

Veronika Lang in „feminin/maskulin“

Dass dieses Szenario nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt der Gender-Pay-Gap. Er ist österreichweit nirgends größer als in Vorarlberg. Frauen verdienen durchschnittlich 22,2 Prozent weniger als Männer.

Hinzu kommt die latente sexuelle Belästigung, der sich Veronika im Büro täglich ausgesetzt fühlt. „Besser gleich wehren, sagen, was nicht passt, und skeptisch werden, wenn es zu viel Komplimente fürs Äußere gibt, aber keine für die geleistete Arbeit“, sagt Walker.

Sonst verselbständige sich die Situation mitunter und frau komme viel schwerer wieder aus ihrer Rolle heraus, die sie vielleicht gar nie haben wollte. „Eine irgendwie klassisch weibliche Rolle übrigens: die der starken Dulderin.“ 

Ach, wir Frauen machen das gern. Wir sind bestens ausgebildet, leistungsfähig und stressresistent. Und dann gibt’s ein „Dankeschön für die Unterstützung“.

Veronika Lang in „feminin/maskulin“
Lisa-Maria Cerha
Regisseurin und Dramaturgin Lisa-Maria Cerha

Theater als Impuls zum Diskurs

Die Inszenierung des etwa 15-minütigen Monologes übernimmt die Regisseurin und Dramaturgin Lisa-Maria Cerha. Die gebürtige Vorarlbergerin studierte Theater- und Literaturwissenschaft in Wien, Berlin und Antwerpen. Sie inszenierte Klassiker, schrieb Bühnenadaptionen zu Büchner, Brecht und Shakespeare.

Für „feminin/maskulin“ hat sie nach einer Bühnenlösung gesucht, um die Vielstimmigkeit der Protagonistin darzustellen. So wie es Feminismen im Plural und nicht nur einen Feminismus gibt, so gibt es auch viele laute weibliche und männliche Stimmen zum Thema Gender Gap am Arbeitsplatz. „Es wird eine Darstellerin und einen Stimmenchor geben.“ Mehr verrät Cerha nicht.

Nur so viel: Die im Anschluss an die Aufführung stattfindende Diskussion und die Einordnung des Sachverhaltes durch AK-Expert:innen aus dem Arbeits- und Sozialrecht denkt Cerha bei der Inszenierung von vornherein mit: „Was kann ich ins Spiel bringen für eine offene, sachliche Streitkultur? Wo und wie entsteht Ungerechtigkeit am Arbeitsplatz? Inwiefern ist uns (Frauen) das bewusst?“

Über den „Mut-/ Wutausbruch“ in der Schaffarei

Mit dem Format „Mut-/ Wutausbruch“ bringen wir brisante arbeitsrelevante Themen auf die Klub-Bühne in der Schaffarei. Im Zentrum der kurzen Theater-Monologe steht immer ein Arbeitskonflikt, der nachdenklich stimmt und Diskussions-Stoff liefert.

Mal geht es um die verzweifelte pflegende Angehörige am Ende ihrer Kräfte. Um eine erschöpfte Führungskraft, die am Sonntagnachmittag E-Mails beantwortet, anstatt Zeit mit der Familie zu verbringen. Oder um eine Frau, die entdeckt, dass sie ein Drittel weniger verdient als ihr Kollege, dabei aber viel mehr Leistung bringt.

Im Anschluss an das Stück gibt es Berichte aus der Praxis, arbeits- und sozialpolitisches Feedback zum Thema und ein moderiertes Publikums-Gespräch.

„feminin/maskulin“ – Theaterstück von Christina Walker

20.–23. Juni, jeweils 20 Uhr, Eintritt frei

Inszenierung: Lisa-Maria Cerha
Schauspiel: Michaela Klamminger

Moderation: Brigitta Soraperra

Jetzt Platz sichern!

Artikel teilen: