Ruth Swoboda: Herausforderungen muss man sich manchmal einfach stellen

„Hier könnte ich mir vorstellen zu leben“, denkt Ruth Swoboda sich schon, als sie um 1993 das erste Mal mit ihrer Handballmannschaft nach Dornbirn kommt. Wie die gebürtige Niederösterreicherin dann tatsächlich vom Handball-Profi zu einer der ersten Frauen im Österreichischen Bundesheer und schließlich zur Leiterin der Erlebnis Naturschau inatura in Dornbirn wurde, erzählt sie in den Arbeitslebensgeschichten in der Schaffarei.

Ruth Swoboda wächst in einem kleinen Dorf im Waldviertel in einer sehr sportlichen Familie auf: Ihre Eltern sind begeisterte Läufer, Ruth und ihre beiden Schwestern ebenso.

Die Liebe zum Teamsport entdeckt die 13-jährige Ruth in einer Winter-Laufpause. „Mich hat es total begeistert, Teil einer Mannschaft zu sein. Eh klar, wer läuft schon gerne alleine in der Welt herum?“, erzählt sie. Ruth bewirbt sich im Leistungssportzentrum in der Südstadt in Maria Enzersdorf und schlägt damit den Weg zum Profi-Handball ein.

Ihre Ausbildung beschreibt sie mit den Worten von Steffi Graf: Es sei eine sehr komprimierte Art des Erwachsenwerdens. Im Leistungssport lerne man früh mit Dingen umzugehen, mit denen man sonst erst sehr viel später konfrontiert wird: mit Leistungsdruck, Wettbewerb oder mit der Notwendigkeit, sich mit unterschiedlichsten Charakteren zu einem Team zusammenzuraufen.

Es sei eine harte, aber auch eine sehr schöne Zeit gewesen. Mit vielen Reisen, trotz des intensiven Trainings mit viel Spaß und mit Freundschaften, die bis heute Bestand haben.

Mich hat es total begeistert, Teil einer Mannschaft zu sein. Eh klar, wer läuft schon gerne alleine in der Welt herum?

Ruth Swoboda

Dasselbe in Grün

Nach der Matura geht Ruth für eine Auszeit nach Norwegen. Beinahe wäre sie dort hängengeblieben, wäre da nicht der Ruf aus der Südstadt gekommen – mit der einmaligen Gelegenheit, sich für die Vorauswahl für die Olympischen Spiele in Sydney zu qualifizieren.  Ein Traum rückt in greifbare Nähe.

1998 kehrt Ruth nach Österreich zurück und nutzt eine Gelegenheit, die sich hier für Frauen gerade zum ersten Mal auftut: Sie geht zum Bundesheer.  „Damals hatte ich weder eine Wohnung noch einen Vertrag und das Angebot vom Heer war nicht schlecht: Wir konnten intensiv trainieren und waren viel draußen, das habe ich immer schon geliebt“, sagt sie.

Den strikten Tagesablauf und die strengen Regeln sei sie ja bereits aus der Schulzeit gewohnt gewesen, ergänzt sie schmunzelnd. „Das war im Grunde dasselbe in Grün.“

 Aus der Traum

„Ich war damals keine der Top-Spielerinnen“, sagt Ruth rückblickend, „in meiner Position war ich eher der ‚dritte Zwerg von links‘.“ Alles gefallen lässt sie sich damals trotzdem nicht – und wird nach einer Meinungsverschiedenheit mit dem Trainerstab prompt aus dem Kader gestrichen.

Das war’s dann also: aus der Traum von Olympia. Ruth Swoboda hängt ihr Handballdress an den Nagel. Die Bundesheer-Uniform wenig später ebenfalls.

Stattdessen folgt sie einem anderen Traum: Sie geht nach Wien und studiert Biologie. Als Zoologin will sie das Verhalten von Grauwölfen in Kanada erforschen. „Mein Kanada habe ich dann allerdings schon bei einem Praktikum in Grünau im Almtal gefunden“, lacht sie. Dort gibt es zwar keine Grauwölfe, dafür aber Graugänse. Denen widmet sie auch ihre Diplomarbeit.

 

Grüß Gott in Vorarlberg

Nach den Gänsen kommen die Schmetterlinge: Die Liebe führt Ruth Swoboda mit Ende 20 nach Vorarlberg. Noch immer kann sie sich sehr gut vorstellen, hier zu leben – auch wenn sie anfangs denkt, dass sie wohl verhungern wird. Für Zoolog:innen gibt es im Ländle wenig zu tun.

Über das Akademikertraining des AMS kommt Ruth jedoch schon bald zum Umweltbüro Grabher. Sie macht Führungen für den Naturschutzverein Rheindelta und kommt so schließlich als Museumspädagogin zur inatura. Eher zufällig erfährt sie, dass das Marketing dort Unterstützung gebrauchen könnte und bietet kurzerhand ihre Hilfe an.

„‚So ein paar Pressetexte schreiben, das werde ich schon irgendwie hinkriegen‘, habe ich mir damals gedacht“, sagt Ruth und ergänzt grinsend: „Das war nicht das erste Mal, dass ich eine Aufgabe unterschätzt habe.“ Doch es ist auch nicht das erste Mal, dass Ruth schnell dazu lernt.

Als drei Jahre später überraschend die Stelle der naturwissenschaftlichen Leitung ausgeschrieben wird, stellt sich die damals 33-Jährige gleich der nächsten Herausforderung und bewirbt sich. „Ich glaube, das ist das Wichtigste: Chancen zu nutzen, wenn sie sich bieten und den Mut zu haben, sich Herausforderungen zu stellen.“

Ruth beim Bundesheer

Ich glaube, das ist das Wichtigste: Chancen zu nutzen, wenn sie sich bieten und den Mut zu haben, sich Herausforderungen zu stellen.

Ruth Swoboda

Ein Zufall oder ein Zeichen?

Auf dem Weg zum Hearing findet Ruth ein kleines Schweinchen aus Messing. Ist das ein Zufall oder ein Zeichen? Wer weiß. Das Schweinchen jedenfalls hat Ruth Swoboda heute noch, den Job auch.

Mehr noch: Ab 1. Juli wird sie nach elf Jahren als naturwissenschaftliche Direktorin die Gesamtleitung der inatura übernehmen. Dr. Peter Schmid, der kaufmännische Geschäftsführer der inatura, mit dem Ruth Swoboda das Haus die vergangenen Jahre in Doppelspitze geleitet hat, geht in den Ruhestand.

Wieder gehören zu der Position Aufgaben, die für Ruth neu sind. Und wieder geht sie mit Herzblut und völlig offen an die Sache heran. Möglicherweise liegt das am Kampfgeist einer ehemaligen Leistungssportlerin. Vielleicht liegt es aber auch einfach an der Zuversicht einer Frau, die gelernt hat, im Team zu spielen und dabei auf ihre eigenen, aber auch auf die Stärken der anderen zu vertrauen.

Ruth Swobodas Methode für Entscheidungen wie diese jedenfalls klingt durchaus nachahmbar: „Ich frage mich immer: ‚Was ist das Schlimmste, das passieren kann?‘. Wenn mir die Antwort keine Angst macht, nehme ich die Herausforderung an.“

Das gefundene Messingschweinchen: Zufall oder Zeichen?

Ich frage mich immer: ‚Was ist das Schlimmste, das passieren kann?‘. Wenn mir die Antwort keine Angst macht, nehme ich die Herausforderung an.

Ruth Swoboda
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